Zu viel Polemik


Verständlich: Wenn man sich Jahrzehnte für Glaube und Kirche eingesetzt hat, kann die Exkommunikation eine tiefe Verletzung bedeuten. Dieser Verletzung entspringen dann polemische Worte.
Ich kann also gut nachvollziehen, dass Familie Heizer sich nun auch polemisch gegen die Kirchenleitung äußert. Dennoch sind für mich einige Aussagen nicht gerechtfertigt.
Was zum Beispiel soll die Polemik, dass sie in die gleiche Kategorie fallen wie Missbrauchstäter? Es liegt doch auf der Hand, dass sie selbst natürlich kein Kind missbraucht haben. Die Eucharistie ist aber – wie jedes andere Sakrament – für uns Christen etwas zutiest Heiliges und unterliegt damit besonders hohen Schutzbestimmungen. Dass jene, die unter dem Verdacht stehen, dieses Heilige nicht entsprechend zu behandeln, sofort dem Vatikan gemeldet werden, ist eben der kirchenrechtliche Versuch, das Heilige zu schützen. Bitte lasst also die Kirche im Dorf.
Eine andere Sache, die aber ins theologische Zentrum der Sache führt, findet sich in einem Absatz eines Beitrages von Christ&Welt. Dort heißt es:



Die Tiroler Häretiker bleiben stur und stellen weiterhin die Trennung zwischen Klerus und Laien infrage, das zentrale Organisationsprinzip der katholischen Hierarchie. Die Renegaten aus Absam fordern, dass auch Getaufte, die sich als würdig erwiesen haben, Sakramente spenden und die Wandlungsworte sprechen dürfen. „Die Verrechtlichung gehört überdacht“, sagt Gert Heizer. „Warum dürfen nur alleinstehende Akademikermänner Sakramente spenden?“ Aussagen wie diese sind eine Kriegserklärung an Bischöfe, Kardinäle und den Papst.



Es sei an dieser Stelle nicht diskutiert, ob Frauen oder Verheiratete Priester werden sollen/dürfen. Was mich zunächst stört, ist, dass es als Verrechtlichung angesehen wird, wenn nur geweihte Priester die Wandlungsworte sprechen dürfen. Zumindest legt der Kontext diese Interpretation nahe. Dazu ist aus meiner Sicht folgendes zu sagen:



  1. Viele Religionen kennen die Trennung von Heiligem und Profanem. So auch das Judentum. Das Allerheiligste des Judentums durfte nur einmal betreten werden und das nur vom Hohenpriester. Es hat einen Sinn, dass Heilige auszugrenzen. Bzw. das Heilige ist per definitionem das Ausgegrenzte. Es wird so zum besonders Schützenswertesten und zum besonders Geschützten. Und nur jene, die von Gott berufen sind bzw. von ihm eingesetzt sind, dürfen dann auch in die Nähe des Heiligen treten. Im Übrigen kennen wir aus dem Alten Testament, dass es nicht immer die Würdigsten waren, die das durften. Würde ist kein Kriterium der Berufung Gottes.
  2. Durch den Kreuzestod Jesu hat sich die Situation aber geändert. Mit dem Zerreisen des Tempelvorhangs wird das heilsbedeutsame Ereignis festgehalten, dass die Grenzen zwischen Heiligem und Profanem aufgehoben sind. Das Heilige ist nach wie vor das Heilige, immer noch schützenswert, aber nun zugänglich für alle Menschen. Darin begründet sich m.E. das allgemeine Priestertum aller Getauften.
  3. Es darf dabei aber nicht übersehen werden, dass der Kreuzestod seine heisbedeutsame Wirkung bis jetzt nur unter dem eschatologischen Vorbehalt inne hat. D.h. das Neue, dass dem Kreuzestod Jesu entspringt, steht unter der Spannung, dass er jetzt schon die Grenzen aufgesprengt hat, dass dieses Aufsprengen aber noch nicht vollendet ist, sondern wir immer noch auf dem Weg sind, an dessen Ende Gott, der Heilige, unmittelbar bei uns Wohnung nehmen wird. Solange bleibt es aber sinnvoll, wenn es weiterhin ein geweihtes Amtspriestertum gibt, dass von Gott auswählt ist, im Zentrum des Heiligen zu stehen, bleibt es also sinnvoll die Trennung aufrecht zu erhalten, eine Trennung, die sich aber verändert hat.
  4. Da nämlich die Grenzen andererseits schon aufgesprengt sind, ist es auch sinnvoll, im zentralen Wandlungsgeschehen und beim Kontakt mit dem Allerheiligsten nicht mehr nur Priester einzusetzen: So stehen an der Seite des Priesters Diakone, Ministranten und Ministrantinnen, Kommunionspender und Kommunionspenderinnen, die auch das Allerheiligste in der Monstranz aussetzen und einsetzen können.
  5. In diesem Lichte bleibt die Trennung von Laien und Klerikern zwar aufrecht, aber unter dem eschtalogischen Vorbehalt. Am Ende der Zeit wird es diese Trennung nicht mehr geben, aber jetzt, in dieser Zeit, ist sie sinnvoll zum Schutz des Heiligen.


Man darf mir natürlich widersprechen. Denn ich denke, im Widerspruch kommen wir dem theologischen Kern der Sache näher.

Impressum und Datenschutz