Vorsicht, Franzikus!


Mit einem nicht unüberlegten Manöver hat Papst Franzikus die Familiensynode beendet: Er verwies – was er ansonsten nie getan hat – auf das Kirchenrecht, dass seine, also die päpstliche Autorität betont.
Das Geschickte an diesem Abschlussstatement ist die Bredouille, in die er die Konservativen bringt. Übrigens nichts Neues seit seinem Amtsantritt: Früher war klar: Konservative berufen sich auf den Papst, der widerum als der Bewahrer der rechten katholischen Ordnung galt. Der jetzige Papst gilt aber bei vielen als einer, der diese Ordnung gefährdet. So hat Leo Kardinal Burke den Papst schon häufiger kritisiert und ihn auf die Verantwortung der Wahrheit gegenüber verwiesen. Trotzdem bleibt den Konservativen letztlich nichts anderes übrig, als die Autorität des Papstes anzuerkennen. Und sie müssten daher auch einer Öffnung der Kirche in manchen Bereichen zustimmen.
Papst Franziskus wird aber aufpassen müssen, dass er sich selbst nicht in eine Bredouille hineinmanövriert. Einige Zitate aus dem Apostolischen Schreiben Evangelii Gaudium:



Es ist nicht angebracht, dass der Papst die örtlichen Bischöfe in der Bewertung aller Problemkreise ersetzt, die in ihren Gebieten auftauchen. In diesem Sinn spüre ich die Notwendigkeit, in einer heilsamen „Dezentralisierung“ voranzuschreiten. (16)

Da ich berufen bin, selbst zu leben, was ich von den anderen verlange, muss ich auch an eine Neuausrichtung des Papsttums denken. Meine Aufgabe als Bischof von Rom ist es, offen zu bleiben für die Vorschläge, die darauf ausgerichtet sind, dass eine Ausübung meines Amtes der Bedeutung, die Jesus Christus ihm geben wollte, treuer ist und mehr den gegenwärtigen Notwendigkeiten der Evangelisierung entspricht. Johannes Paul II:. bat um Hilfe, um » eine Form der Primatsausübung zu finden, die zwar keineswegs auf das Wesentliche ihrer Sendung verzichtet, sich aber einer neuen Situation öffnet «. In diesem Sinn sind wir wenig vorangekommen. Auch das Papsttum und die zentralen Strukturen der Universalkirche haben es nötig, dem Aufruf zu einer pastoralen Neuausrichtung zu folgen. Das Zweite Vatikanische Konzil sagte, dass in ähnlicher Weise wie die alten Patriarchatskirchen » die Bischofskonferenzen vielfältige und fruchtbare Hilfe leisten [können], um die kollegiale Gesinnung zu konkreter Verwirklichung zu führen «. Aber dieser Wunsch hat sich nicht völlig erfüllt, denn es ist noch nicht deutlich genug eine Satzung der Bischofskonferenzen formuliert worden, die sie als Subjekte mit konkreten Kompetenzbereichen versteht, auch einschließlich einer gewissen authentischen Lehrautorität. Eine übertriebene Zentralisierung kompliziert das Leben der Kirche und ihre missionarische Dynamik, anstatt ihr zu helfen. (32)



Das sind deutliche Worte für eine Dezentralisierung und für mehr Eigenständigkeit der Bischöfe und Bischofskonferenzen. Zum offenen Wort hat der Papst aufgerufen und das hat er auch bekommen und schweigend zugehört.
Wenn er dann aber auf seine Autorität pocht, dann könnte er seine eigenen Worte zum bloßen Lippenbekenntnis degradieren: So hat er sich tlw. über das Votum der Synode hinweggesetzt, indem er auch jene Passagen in das Abschlussdokument aufnehmen ließ, die nicht mit 2/3-Mehrheit angenommen wurden. So hat er Kardinal Burke alle wichtigen kurialen Ämter entzogen. So hat er, der sich gern „nur“ als „Bischof von Rom“ bezeichnet, mit seinen Abschlussworten seine über die bischöfliche Vollmacht hinausgehende Autorität und damit auch die Zentralisierung betont.
Wer das offene Wort und dezentrale Entscheidungsprozesse möchte, muss sich auch das anhören und annehmen, was nicht seinen Ansichten entspricht. Am Ende ist der Papst schon längst in dieser Bredouille und es ist ihm zu wünschen, dass er mit der Synode im Herbst 2015 diese gut durchschiffen kann.

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