Von der anderen Seite her gedacht.

Kritisches zum Frauendiakonat

Dienstag, 12. Mai 2020

Liturgische Personen

Seit Papst Franziskus zum zweiten Mal eine Kommission zur Erforschung des Frauendiakonates eingesetzt hat, tritt das Thema wieder verstärkt an die kirchliche Öffentlichkeit. Die Ergebnisse der ersten Kommission wurden nicht bekannt. Aber auch schon vor P. Franziskus gab es zu ähnlichen Fragestellungen Kommissionen.

Zur aktuellen Situation siehe hier.

Kritiker des Frauendiakonates sind fast völlig ident mit Kritikern der Zulassung der Frau zum Sakrament der Weihe generell. Einfacher gesagt: Wer gegen das Frauendiakonat argumentiert, ist gegen die Weihe von Frauen generell. Unter anderem befürchten sie einen Dammbruch: Sind Frauen einmal zur ersten Weihestufe zugelassen, ist die Priesterweihe nicht mehr fern. Und Gott behüte, dass soll nicht geschehen. Die Kritiker haben damit nicht so ganz unrecht. Denn Befürworter der Frauenweihe sehen in der Diakonatsweihe tatsächlich den ersten Schritt zur Priesterweihe.
Ich sehe das alles nicht ganz so positiv, weil es letztlich eine eklatante lehramtliche Schwachstelle überdeckt, die das Zweite Vatikanische Konzil mit der Wiedereinführung des Ständigen Diakonates aufgerissen hat. Um meinen Standpunkt und Blickwinkel gleich klar zu machen: Ich bin für die Zulassung der Frauen zum Sakrament der Weihe generell, sehe aber die Einführung eines bloßen Frauendiakonates kritisch. Dass die Gründe für die Weihe ausschließlich von Männern zu schwach sind, soll hier nicht diskutiert werden.

Ein kurzer Rückblick
Nach 1000 Jahren Kirchengeschichte ist das Diakonat als eigener Stand in der Kirche verschwunden, nicht aber das Diakonat als Durchgangsstufe für das Priesteramt. Grund war, dass die Handlungsvollmachten, die dem Diakon ursprünglich zugeschrieben wurden, auf andere Ämter, die sich in der Zwischenzeit entwickelt hatten, verteilt wurden. Der Diakon als Titel ohne Mittel wurde uninteressant.
Dasselbe Schicksal erlebten die Diakoninnen, die es in der frühen Kirche gab. Sie hatten andere Aufgaben als ihre männlichen Kollegen, nämlich bei der Erwachsenentaufe von Frauen zu helfen. Mit Einführung der Kindertaufe wurde dieses Amt obsolet.
In den 1960er Jahren ermöglichte das Konzil die Wiedereinführung des Ständigen Diakonates, wenn die jeweiligen Bischofskonferenzen das wollen. 1983 kam es zur erneuten Ausgabe des Kirchenrechtes, in dessen Kanon 1008 gesagt wird, dass geweihte Personen in der Person Christi als des Hauptes handeln. 1992 erscheint zum ersten Mal der Katechismus der Katholischen Kirche, in dessen Nr. 875 die Formulierung des Kirchenrechtes wiederholt wird.
Was genau diese Formulierung eigentlich bedeutet, ist aber weiterhin ungeklärt. Um sie dreht sich aber letztlich der Vollmachtsanspruch der Kleriker. Im engeren Sinn wird damit die Konsekrationsvollmacht (also die Vollmacht die Gaben Brot und Wein in der Messe zu wandeln) verstanden; grundsätzlich wäre aber auch ein weiteres Verständnis möglich und das Kirchenrecht legt auch ein weiteres Verständnis nahe. Schließlich war dem Diakon die Konsekrationsvollmacht nicht gegeben und doch traf auch diese Formulierung auf ihn zu.
Im selben Katechismus kommt es aber in den Nr. 1554, 1558 und 1563 zu anderen Aussagen, die den Diakonat deutlich vom Priester und Bischof absetzen. 1997 kommt es zur Revision des Katechismus, in dem diese Spannung harmonisiert wird: Nun handelt nur noch der Priester und der Bischof in der Person Christi als des Hauptes, nicht der Diakon. Dieses besondere Handeln wird nun enger ausgelegt.
Diese Revision trat aber nun in Spannung zur Aussage des Kirchenrechten. Dies veranlasste P. Benedikt XVI. 2009 dazu, das Kirchenrecht dem Katechismus anzugleichen (und nicht umgekehrt). Es sollte deutlich werden, dass zwischen Bischof und Priester auf der einen Seite und dem Diakon auf der anderen Seite ein deutlicher Graben verläuft. Dieser Graben ist der der Konsekrationsvollmacht; eine Verengung, die das Konzil eigentlich überwinden wollte.

Und was hat das mit dem Frauendiakonat zu tun?
Nun, wenn Sie sich bisher durch diese „technischen“ Details durchgequält haben, werden Sie sich sicher diese Frage stellen. 2009 hat man spekuliert, ob es P. Benedikt nicht darum ging, durch eine deutliche Abhebung des Diakonates, den Weg für das Frauendiakonat frei zu machen. Mit anderen Worten: Der Diakonat wird so weit vom Priestertum und Bischofsamt entfernt, damit nur ja niemand auf die Idee kommt, Diakoninnen könnten auch mal Priesterinnen werden. Ich glaubte zu keinem Zeitpunkt, dass der konverative Papst diese Absicht hatte. Das sind nur die Hoffnung derer, die sich gern von einer solchen Hoffnung blenden lassen wollen.
Aber auch wenn Benedikt das nicht gewollt hat, könnte dies dennoch die Argumentationsbasis für die Zulassung von Frauen zum Diakonat sein. Was aber in weiterer Folge bedeutet: Die Zulassung der Frauen ist nur um den Preis einer Degradierung einer Weihestufe und einer Engführung des kirchlichen Amtes generell zu haben. Was haben damit die Frauen gewonnen? Was haben damit Diakone gewonnen? Und was haben die anderen Amtsträger und die Kirche generell damit gewonnen?
Es geht aber noch weiter: Spekulieren die einen, dass es zu einem nicht-sakramentalen Diakonat der Frauen kommen kann – in der jungen Kirche hatten ja die Frauen auch andere Aufgaben als die Männer -, sehen die anderen den Diakonat insgesamt nur als Halbgeweihte oder würden den Diakonat insgesamt gern aus den sakramentalen Weihestufen entfernen. Was wohl auch damit zu tun, dass verheiratete Männer irgendwie so keine Kleriker sein können/sollen. Zumindest in der Gedankenwelt wenig kreativer Köpfe.
Es wäre wohl ein Hohn den Frauen gegenüber, wenn sie ein Amt bekämen, das denselben Namen wie ein Amt der Männer trägt, aber ganz andere Aufgaben damit verbunden sind und auch nicht auf selber Ebene steht. Umso mehr frage ich mich, wozu eigentlich die ganzen Kommissionen gut sein sollen, die nur in die Geschichte schauen. Alle Ämter haben sich entwickelt und verändert und das wird auch in Zukunft so sein. Dazu braucht es keine historischen Forschungen, sondern kirchliche Entscheidungen. Denn niemand möchte ein Amt für Frauen, das dem Amt der Männer nicht gleichgestellt ist. Und das wird man definitiv in der Vergangenheit nicht finden. So gesehen erscheint die erneute Einsetzung einer Kommission als Hinausschieben einer Entscheidung, um den Frauen eine trügerische Hoffnung zu vermitteln.
Schlussfolgerung für mich: Die Einführung eines Frauendiakonates führt scheinbar nur über den Weg der Herabsetzung und Engführung des Amtes. Nicht die Frauen beschädigen damit ein Amt, sondern jene, die auf solchen Wegen die Grundlage für die Zulassung schaffen wollen, um letztlich die Frauen von den anderen Weihestufen auszuschließen. Eine fromme Diskriminierung.

Was bedeutet das?
Eigentlich wird mit dieser Frage aber ein viel größeres Thema berührt: nämlich die Frage nach dem kirchlichen Amt insgesamt. Die Schwachstelle, die das Konzil aufgerissen hat, ist, dass es keine Klarheit über die Identität der Ämter und deren Zuordnung gebracht hat. Das hat einen positiven Aspekt, da ja die Diakone ihr Diakonat entwickelt und kreativ gestalten können, hat aber auch den negativen Aspekt, dass es in der Realität oft zu Macht- und Anerkennungskämpfen führt, die sich aus der Frage nach der Sinnhaftigkeit des Diakonenamtes speisen.
So ist dieses Amt nach wie vor ein Titel ohne Mittel. Was bedeutet es, kirchlicher Amtsträger zu sein? Was bedeutet in der Person Jesu Christi als des Hauptes zu handeln? Und was in der Person Jesu als des Dieners? Was macht die Identität des Bischofs, des Priesters und des Diakons aus? Und wie kann man das Verhältnis der Ämter zum allgemeinen König-, Priester- und Prophetsein der Getaufen verstehen? Wie hängen Zölibat und Weihe und Klerikerstand zusammen? Oder gilt nur jener als Kleriker, also als Geweihter, wenn er die Konsekrationsvollmacht hat? Können wir nicht ein weiteres Verständnis von Amt zulassen? Und was hat das damit zu tun, ob ich Mann oder Frau bin?
Nimmt man P. Franziskus ernst, dann sieht auch er ein Identitätsproblem der Kleriker auf allen Ebenen. Von Beginn an erregte er mit harschen Worten gegen den Klerikalismus und die Überheblichkeit von Klerikern aufsehen. Darin ist ihm zuzustimmen. Nur liest man dann halt auch mit sehr gemischten Gefühlen seine jüngsten Aussagen über die Frauen im nachsynodalen Schreiben Querida Amazonia, Nr. 99-103: Natürlich besteht die Gefahr einer Klerikalisierung von Frauen im negativen Sinn. Natürlich besteht die Gefahr, dass es hinter dieser Diskussion nur um Machtansprüche geht. Natürlich besteht die Gefahr einer Klerikalisierung der Kirche insgesamt, die nur im geweihten Amt den wahren Kern von Kirche sieht. Gegen all das tritt P. Franziskus zurecht auf. Aber das sind keine Gründe, Frauen von der Weihe auszuschließen, sondern die Kirche insgesamt zu verändern. Frauen – wie auch Männer – können da einen positiven Beitrag und aus den Gefahren ganz neue Chancen entstehen lassen, Chancen für die Kirche im Ganzen. So gesehen hätte sich P. Franziskus die frauendiskriminierenden Aussagen im jovialen Stil unter dem Deckmantel des Weitblicks sparen können.
Da all das nicht von einem einzige Mann entschieden werden kann, braucht es ein Konzil, um die Lehre von den Ämtern und deren Identität auf die Höhe der Zeit zu bringen.

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