Online-Gottesdienst in Gemeinschaft.
Ein Erfahrungsbericht

7. April 2020

Kreuz in Gemeinschaft

Seit nicht ganz einem Jahr feiere ich mit einer kleinen Gruppe von Menschen jeden ersten Sonntag im Monat eine Wortgottesfeier. Von Beginn an war es mein Ziel, diese Gottesdienste nicht nur gemeinschaftlich zu feiern, sondern auch gemeinschaftlich vorzubereiten.
Nun, der erste April-Sonntag fiel auf den Palmsonntag. Und da wir in einer Zeit leben, in der wir auf Distanz bleiben sollen, sollen wir auch auf Distanz feiern. Also begann ich zu überlegen.

Die gegenwärtigen Hauptlösung kommt nicht in Frage
Wenn ich mich nun so umschaue und sehe, wie Messen oder Segnungen – der Palmzweige und bald auch der Osterspeisen – gefeiert werden, so stellen sich für mich zahlreiche theologische Fragen. Diesen Online-Gottesdiensten stehe ich sehr skeptisch gegenüber: Da werden Messen online übertragen, in denen der Priester mehr oder weniger in einer One-Man-Show allein die Messe feiert – ohne Anwesenheit anderer Personen. Sicher tun dies nicht alle Priester. Diese sind zwar unter bestimmten Voraussetzungen kirchenrechtlich möglich; dennoch aus meiner Sicht theologisch problematisch. Die Zuschauer sind und bleiben keine Gottesdienstbesucher und geistliche Kommunion hin oder her: Es sind keine gemeinschaftlich gefeierten Gottesdienste. Das gleiche gilt für Online-Segnungen, die auch von einigen Diakonen vorgenommen werden.
Noch problematischer empfinde ich Messen und Segnungen, die man nicht live, sondern als Video via YouTube oder dgl. ansehen kann. So als ob man sich jederzeit eine Segnung abholen kann. Und die Messe kann in 5 Jahren noch abgerufen werden – und ist dann immer noch gültig? Hier bleibt wohl noch einiges theologisch zu reflektieren.
Und noch etwas zeigt sich: Die Kirche hat es verabsäumt, die „einfachen“ Laien liturgisch zu bilden, sodass sie befähigt sind, eigene Hausgottesdienste zu feiern. Das muss jetzt nachgeholt werden – und das geschieht auch.

An dieser Stelle kann ich nicht weiter auf diese Diskussion eingehen, sondern verweise auf aktuelle Beiträge:

Johann Pock, Karwochenliturgie im Zeichen von Covid-19 – eine vertane Chance

Replik von Jan Heiner Tück, Wandlung per Bildschirm? Priesterlose Gottesdienste? - Einspruch!

Noch eine Replik von Jan Heiner Tück, Warum Do-it-yourself-Messen keine Antwort auf die Krise sein können

Replik von Johann Pock, Die Kirchentradition sollte in der Krise helfen statt zu verbieten

Der Plan
Um nun unseren monatlichen Gottesdienst nicht abzusagen, habe ich beschlossen, diesen online anzubieten. Dies aber nicht derart, dass alle einer Person beim Beten und Lesen zusehen, sondern dass wir gemeinsam beten und lesen.
Ich plante also folgendermaßen: Über die Online-Plattform jitsi sollte sich jeder zuschalten können. Vorab konnte jeder der Eingeladenen Bescheid geben, ob er dabei ist. Die Angemeldeten erhielten ein Einladung.
Nun gibt es ja zwei Feiermomente am Palmsonntag: Jesu Einzug in Jerusalem mit Palmsegnung und das Gedenken an die Leiden Jesu. Für den ersten Teil habe ich einen Vorschlag ausgearbeitet, wie jeder selbst zu Hause die Palmsegnung vornehmen kann (siehe hier). So sollte also der gemeinsam gefeierte Gottesdienst den zweiten Teil abdecken. Dieser zweite Teil war nun folgendermaßen aufgebaut:

  • Hymnus, Psalmen und Canticum vom Palmsonntag
  • Die Leidensgeschichte in der Langfassung
  • frei formulierte Fürbitten
  • Vaterunser
  • Oration und Segen

Der erste Teil sollte im Wechselgebet mit Vorbeter – alle gebetet werden. Bei der Leidensgeschichte wurden die Rollen verteilt. Zusätzlich wurden vorab Vorschläge unterbreitet, welche Symbole man aufstellen kann. Alle Teilnehmer erhielten die Texte per E-Mail zugeschickt. Spontan erklärte sich jemand bereit, zu Beginn mit den Kindern ein Lied zu singen.

Die Nachbetrachtung
Folgende Erfahrungen haben wir gemacht:

  • Vorab ist es sinnvoll, dass jene, die technisch nicht so versiert sind, die Online-Plattform einmal testen. Selten aber doch können Probleme auftreten, die nicht sofort gelöst werden können.
  • Es waren insgesamt vier Computer und ca. acht bis zehn Personen beteiligt. Als Hauptproblem stellte sich die zeitliche Verzögerung der Internetübertragung heraus, die es gerade bei Hymnus, Psalmen und Canticum schwierig machte, gleichzeitig zu beten.
  • Die Gleichzeitigkeit konnte auch beim Vaterunser nicht erreicht werden, was in diesem Fall aber weniger störte, da jeder bei sich war.
  • Daraus ziehe ich für mich die Schlussfolgerung, dass in Zukunft auch Gebete und Psalmen auf die einzelnen „Computer“ aufgeteilt werden sollten. Die anderen sind dann beim Gebet dabei und so kann sich „reihum“ jeder aktiv einbringen.
  • Dasselbe wäre auch in Bezug auf Lieder anzudenken. Diese können nicht gemeinsam gesungen werden, nur von Menschen hinter demselben Computer.
  • Kein Problem spielte die Zeitverzögerung bei der Leidensgeschichte und den Fürbitten. Vor allem bemerkte man eine gewisse Langsamkeit beim Lesen und auch bei den Pausen dazwischen, die es besonders ermöglichten, sich auf den Text einzulassen.
  • Würde der Gottesdienst im größeren Kreis gefeiert werden, wäre das sicher auch möglich. Dennoch gibt es Kapazitätsgrenzen.
  • Um den Kreis nicht auf Angemeldete zu beschränken, kann man diese Gottesdienste auch für andere öffnen. Der Link kann einfach über digitale oder Soziale Medien weitergeschickt werden. Notwendig ist dann, dass jeder, der sich spontan selbst zuschaltet, technisch versiert ist oder sich vorab Hilfe holt. Und es ist sinnvoll, dass man dennoch eine gewisse Gruppe von Personen vorab kennt, die teilnehmen werden, um auch die gemeinschaftliche Feier zu verwirklichen.

  • Fazit
    Solche Gottesdienste sind meines Erachtens gut durchführbar, können sicher noch besser vorbereitet und gefeiert werden. Sicherlich werden sie flüssiger, wenn man sich an diese Form gewöhnt und eine Routine in der Handhabe gewonnen hat. Sie ersetzen natürlich die Gottesdienste unter persönlicher Anwesenheit nicht, können aber ein guter Ersatz in Zeiten der Not sein. Und sie verwirklichen die aktive Teilnahme einer Gemeinschaft besser als die Solo-Gottesdienste.

    Impressum und Datenschutz