Segnungen


Segnungen werden oft als magische Rituale missverstanden. Im Lateinischen heißt "segnen" "benedicere", was eine Wortkomposition ist und soviel heißt wie "jemanden etwas Gutes zusprechen". Das deutsche Wort "Segen" kommt vom Althochdeutschen "Segan", welches wiederum ein Lehnwort vom lateinischen Wort "signum" (zu Deutsch "Zeichen") ist.

Soviel zu den Worten. Für das Christentum gilt: Mit Zeichenhandlungen wollen wir das Gute, das Gott uns zugesprochen hat, hervorheben und feiern. Der Segen fügt nichts hinzu, sondern hebt hervor, was schon da ist: die lebensbejahende Liebe Gottes zu den Menschen. Der Segen trifft immer die Menschen, auch dann wenn Gegenstände gesegnet werden. Das Gesegnete wird somit zu etwas Heiligem, weil es herausgehoben wird aus dem Alltag. Es erinnert uns dann ganz besonders an das Wirken Gottes in der Welt.

Haussegnugen, Kindersegnungen, Blasiussegen - Das sind nur einige Segensfeier, die durchgeführt werden können. Daneben gibt es aber auch immer Segnungen, die in kirchlichen Öffentlichkeit heiß diskutiert werden. Zu zwei möchte ich ausdrücklich Stellung nehmen:

Segnung von geschiedenen und wiederverheirateten Paaren
Wenn eine Beziehung in die Brüche geht und scheitert, ist das für alle Beteiligten - unabhängig von der Schuldfrage - eine schlimme Erfahrung. Es scheitert dabei nicht nur eine Beziehung, sondern auch Lebensträume und -hoffnungen. Der Scheiternde wird von Gott aufgefangen. Viele Geschichten erzählt die Bibel von gescheiterten Menschen; angefangen von Adam und Eva, deren Sohn Kain, Mose, Jona, Petrus, die Frau, die die Ehe gebrochen hat und nicht zuletzt Jesus selbst. Gott nimmt sich dieser Menschen besonders an.
Daher spricht auch nichts dagegen, jenen dieses Handeln Gottes zu vermitteln, die in der Ehe gescheitert sind. Das Eheversprechen, das einmal gegeben wurde, ist damit nicht vom Tisch. Es kann gar nicht vom Tisch sein, denn wenn wir vom Scheitern sprechen, dann wird es gerade ernst genommen. Würde es nicht ernst genommen werden, würde man auch nicht vom Scheitern sprechen.
Ich bin daher bereit, eine Segnung für wiederverheiratete Paare zu feiern. In der begleitenden Vorbereitung ist mir dabei wichtig, wie viele Konflikte noch bestehen und wie sehr versucht wurde, Versöhnung zu erreichen, wie sehr man sich bemüht hat, die Ehe aufrecht zu erhalten und vor allem wie mit den Kindern umgegangen wird. Was für mich ganz besonders wichtig ist: Die Segnung muss ein Bedürfnis aus dem Glauben heraus sein; sie soll kein feierlicher Aufputz für die zweite Hochzeit sein.

Segnung homosexueller Menschen
Grundsätzlich gilt, dass niemanden der Segen zu verweigern ist, der um einen solchen bittet. Es ist immer Gottes Segen und niemals der Segen des Diakons oder Priesters. Derzeit anerkennt die katholische Kirche die Beziehung zwischen homosexuellen Menschen nicht als mit der Ehe gleichwertig. Sowohl das neue Verständnis einzelner Bibelstellen als auch die neuesten Forschungen zur Homosexualität sollten dazu beitragen, dass die Kirche in diesem Punkt ihre Haltung verändert. Jesus selbst spricht zum Beispiel mit keinem einzigen Wort über Homosexualität. Scheint ihm und den Evangelisten nicht so wichtig gewesen zu sein wie so manchem Zeitgenossen.
Wie dem auch: Bitten homosexuelle Menschen um eine Segnung, ist sie nicht einfach zu verweigern. Gern bin ich mit Ihnen im Gespräch und gemeinsam finden wir jene Form der Feier, die sowohl Ihnen als auch dem christlichem Glauben entspricht. Auch hier gilt - wie bei Segnungen von wiederverheirateten Paaren: Die Segnung muss ein Bedürfnis aus dem Glauben heraus sein; sie soll kein feierlicher Aufputz für die standesamtliche Eheschließung oder Verpartnerung sein.

Segnungen, die ich nicht mache:

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