Finsternis über das ganze Land


Als die sechste Stunde kam, brach über das ganze Land eine Finsternis herein. Sie dauerte bis zur neunten Stunde. Und in der neunten Stunde rief Jesus mit lauter Stimme: Eloï, Eloï, lema sabachtani?, das heißt übersetzt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

(Mk 15,33f.)




So leitet Markus die Erzählung der Kreuzigung Jesu ein. Die Dramatik seines Todes spielt sich an der Grenze zwischen Finsternis und Licht ab.


Genau an dieser Grenze ertönt der Schrei der Gottverlassenheit. Er ist damit der Schrei der zerreißenden Spannung zwischen Licht und Finsternis. Eine Spannung, die sich am zerrissenen Leib des geschundenen Jesus ihren Ausdruck findet. Eine Spannung, die sich beim Vorhang im Tempel, der von oben bis unten zerreißt, nochmals anders äußert.


Damit vereint die Kreuzigung Jesu in einem Akt Licht und Finsternis, Gottesnähe und Gottverlassenheit, Heiliges und Weltliches, Tod und Leben. Erst in der Ausgespanntheit des Leibes zwischen diesen Polen des Lebens kann Jesus für uns zum Retter werden.

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