Während in vielen afrikanischen Ländern die Bevölkerung unter Inflation, Arbeitslosigkeit und schwachen Sozialsystemen leidet, besitzen einige der mächtigsten Männer des Kontinents auffällige Vermögenswerte in Europa. Recherchen und Gerichtsunterlagen zeigen: Präsidenten und ihre Familien investieren Millionen in Villen, Luxusautos und Konten im Ausland – teils mit öffentlichen Geldern, teils aus undurchsichtigen Quellen.
Vier Fälle sind besonders gut dokumentiert: Paul Biya (Kamerun), Teodoro Nguema Obiang Mangue (Äquatorialguinea), Denis Sassou-Nguesso (Republik Kongo) und die Familie Bongo (Gabon)u
Paul Biya: der Präsident, der lieber in Genf residiert
Seit 1982 regiert Paul Biya Kamerun – länger als fast jeder andere Staatschef weltweit. Zu Hause kämpft das Land mit einem seit Jahren anhaltenden Konflikt in den anglophonen Regionen, Korruptionsproblemen und wachsender Unzufriedenheit.
Nach Recherchen von Swissinfo verbringt Biya regelmäßig Wochen oder Monate in der Schweiz, meist im InterContinental Hotel in Genf. Ganze Etagen sollen für seine Delegation reserviert sein – das berichten mehrere Schweizer Medien übereinstimmend.
Offizielle Zahlen zu den Kosten existieren nicht; Investigativportale wie OCCRP schätzen, dass Biya während seiner Auslandsaufenthalte pro Jahr Hunderttausende Dollar an öffentlichen Mitteln aufwendet. Diese Summen sind jedoch nicht gerichtlich überprüft, sondern journalistische Schätzungen.
Ein Verfahren gegen Biya gibt es bislang nicht – doch seine regelmäßigen Abwesenheiten gelten als Symbol für eine politische Elite, die sich zunehmend vom Alltag der eigenen Bevölkerung entfernt.
Teodoro Nguema Obiang Mangue: illegaler Luxus
Der Sohn des langjährigen Präsidenten von Äquatorialguinea, bekannt als Teodorin, ist der prominenteste Fall von nachgewiesenem Auslandsvermögen. Französische Ermittlungen belegten, dass er mit Geldern aus öffentlichen Quellen eine Villa an der Pariser Avenue Foch erwarb – inklusive Marmorbädern, goldenen Wasserhähnen und einer Sammlung seltener Luxusautos.
2017 verurteilte ein Pariser Gericht Obiang wegen Geldwäsche und Veruntreuung öffentlicher Mittel zu drei Jahren Haft auf Bewährung und zu einer Geldstrafe von 30 Millionen Euro. Die Villa und weitere Vermögenswerte wurden beschlagnahmt.
Das Berufungsgericht bestätigte 2020 das Urteil.
Obiang bestreitet die Vorwürfe und beruft sich auf diplomatische Immunität. Dennoch bleibt der Fall eines der klarsten Beispiele für ein afrikanisches Regierungsmitglied, dessen illegal erworbene Vermögenswerte im Ausland gerichtlich festgestellt wurden.
Denis Sassou-Nguesso: im Zentrum von Ermittlungen
Der Präsident der Republik Kongo regiert – mit kurzer Unterbrechung – seit 1979. Seine Familie steht seit Jahren im Zentrum der französischen Ermittlungen zu den sogenannten biens mal acquis („unrechtmäßig erworbenen Gütern“).
Laut Transparency International und französischen Medien besitzen Angehörige des Sassou-Nguesso-Clans mehrere Immobilien in Frankreich, unter anderem in Paris und an der Côte d’Azur.
Die französische Justiz ließ in den vergangenen Jahren mehrere dieser Objekte beschlagnahmen. Präsident Sassou-Nguesso selbst ist bisher nicht verurteilt, wohl aber Gegenstand von Ermittlungen gegen sein familiäres Umfeld.
Die Regierung in Brazzaville bestreitet alle Vorwürfe und spricht von politisch motivierten Kampagnen.
Die Familie Bongo: ein Erbe in Beton gegossen
Die Familie Bongo regierte Gabun über fünf Jahrzehnte: erst Omar Bongo, dann sein Sohn Ali Bongo Ondimba. Frankreich galt stets als enger Partner – und als bevorzugter Ort für das Familienvermögen.
Nach Recherchen französischer Medien besitzt die Familie laut Ermittlungsakten mehrere Dutzend Immobilien in Frankreich, darunter Villen in Paris und an der Côte d’Azur. Der geschätzte Gesamtwert liegt zwischen 80 und 100 Millionen Euro – genaue Zahlen schwanken je nach Quelle
Die Pariser Staatsanwaltschaft untersucht seit über einem Jahrzehnt die Herkunft dieser Vermögenswerte. Laut Le Monde wurde die Untersuchung im April 2025 abgeschlossen, ein Prozess gegen mehrere Familienmitglieder ist in Vorbereitung.
Nach dem Militärputsch von 2023 wurde Ali Bongo entmachtet. Die Ermittlungen in Frankreich laufen jedoch weiter.
Ein Muster aus Macht und Distanz
Ob Biya, Obiang, Sassou-Nguesso oder die Bongos – alle verbindet eine lange Herrschaft, schwache Gewaltenteilung und ein auf Loyalität gegründetes Machtsystem.
Ihre Auslandsvermögen stehen symbolisch für das Spannungsfeld zwischen persönlicher Bereicherung und öffentlicher Verantwortung, wie wir es zu Genüge auch aus Europa kennen.
Am Ende ist das nur die Spitze des Eisberges und es bleibt die Frage: Welche Chancen haben die Afrikaner*innen sich zu entwickeln, wenn sie auf einem Kontinent wohnen, der nicht mehr als ein Spielball globaler Mächte ist, in denen sich Einzelne und ihre Clans und Familien bereichern, während sich der Rest durchs Leben „struggelt“?
Quellen
Swissinfo – Who the Swiss won’t stop his Geneva stays
OCCRP – Paul Biya, Cameroon’s Roaming President
Human Rights Watch – Equatorial Guinea: President’s Son Convicted of Laundering Millions
Al Jazeera – French court fines Equatorial Guinea vice president 30m euros
Transparency International – Biens mal acquis case summary
VOA News – France seizes house of Congo Republic president’s son
RFI – France charges five more members of Gabon ruling dynasty in €85 million fraud case
Le Monde – Gabon : la justice française clôt l’enquête sur les biens mal acquis de la famille Bongo


