Im vergangenen Jahr 2025 habe ich ein paar Bücher gelesen. Hier ein paar Romane davon, die ich sehr empfehlen kann.
Es geht hier natürlich nicht darum, die Handlungen der Romane detailliert wiederzugeben, sondern ich möchte nur ein paar persönliche Bemerkungen anführen.
Gregor Maria Hoff, Nebel, am Ende (2024)

Mit „Nebel, am Ende“ liegt der Salzburger Professor für Fundamentaltheologie den zweiten Band seiner geplanten Trilogie vor. Der erste Band heißt „Welt verloren“; der dritte steht noch aus.
In den drei Romanen steht jeweils eine der drei Hauptfiguren im Mittelpunkt: ein pensionierter Kriminalkommisar, ein ebensolcher Priester und eine gehbehinderter Computerfachmann. Drei Freunde. Drei Kriminalgeschichten.
Allerdings: Die Krimis sind nur der äußere Plot, der allerdings schon ins Innere verweist. Mit dem Tod eines Menschen geht etwas zu Ende, ist ein Stück Welt verloren. Und darum geht es im Eigentlichen: Die Welt verändert sich. Und schön langsam geht nicht nur in ihr etwas zu Ende, sondern sie selbst geht dem Ende entgegen. Symbolisiert wird dies über die Morde hinaus durch das Alter der Hauptpersonen, dem Dorf, in dem sie leben, der absterbenden Kirche und nicht zuletzt durch das Wetter. In einen Fall der Schnee, im andern Fall der Nebel.
Sehr lesenswert.
Hannelore Valencak, Die Höhlen Noahs (1961)
Zum zweiten Mal gelesen. Ich kann es nur empfehlen.

Wie ist es in einer Welt zu leben, in der Liebe das einzig Böse ist? Du sollst nicht lieben. Dieses Gebot steht über allem. Mit gewaltätiger Faust durchgesetzt von einem Patriarchen, der jede Hoffnung auf Leben vernichten will.
Das Buch spielt in einer Zeit nach einer fast vollständigen Vernichtung der Menschen durch eine nicht näher bestimmte kriegerische Katastrophe. Nur die Figuren des Romans haben überlebt – und haben – geht es nach dem Alten – keine Zukunft mehr. Oder besteht doch nicht Hoffnung – im Kind das geboren wird. Geboren von einer Frau, die sich gegen den Alten behauptet.
Valencak entführt die Leserin in eine Welt, in der es keine Menschen mehr geben darf und soll. Es bleibt dabei nicht aus, dass es zahlreiche biblische Anklänge gibt, aber gerade in ihre Gegenteil verkehrt.
Am Ende kann man sich die Frage stellen: Wollen wir in einer solchen Welt leben? Aber viel entscheidender ist die Frage: Leben wir nicht schon längst in einer solchen Welt? Und kann man da überhaupt etwas dagegen ausrichten?
Stephen Buoro, Andy Africa (2023)

Ein grandioses Buch über einen nigerianischen Jugendlichen geschrieben von einem nigerianischen Autor. Die Geschichte ist so dicht, so inhaltsreich, dass es ganz sinnlos ist, es inhaltlich wiederzugeben.
Es erzählt die Lebensrealität dieses Jugendlichen, seiner Freunde. Es erzählt von den Hoffnungen und Enttäuschungen. Es erzählt von Liebe und Gewalt. Und dem Versuch, diesem ganzen Elend, für das Andy Africa – der Spitzname der Hauptfigur – sein Leben hält, zu entkommen.
An dieser Stelle keine Leseempfehlung, sondern eine Lesebefehlung: DU MUSST ES LESEN!
Ernst Hinterberger, Salz der Erde (1966)
Hinterberger kennt man als Erfinder des „Mundl“, des „Kaisermühlen-Blues“ und des „Trautmann“. „Salz der Erde“ ist die literatische Grundlage für den „Mundl“, für den echten Wiener, der nicht untergeht. Jedoch: Im Roman scheint das etwas anders zu sein. Am Ende – ok, kleiner Spoiler – wirkt Edmund Sackbauer untergegangen.

Kurz gesagt: Der Roman stellt sowohl inhaltlich als auch vom Aufbau her nicht das Gleiche dar wie die Serie.
Im Roman wird der Fokus nicht nur auf den Mundl gelegt, sondern auch auf dessen Frau und seine beiden Kinder Karl und Hanni sowie auf seinen Bruder Johann. Es erzählt von der Liebe der Hanni zu Franzl, vom Aufstieg Karls als Catcher in Frankreich, vom Ekel von Mundls Frau, den sie ihm gegenüber spürt, vom kriegstraumatisierten Bruder und vom langsamen Abstieg Mundls, dessen Leben am Ende – ok, nochmals der Spoiler – alles andere als so aussieht, wie er es als sich eingebildeter Familien-Diktator vorgestellt hat.
Auch hier ein strenge Leseempfehlung. Es zeigt einen Menschen, der sich ständig selbst im Weg steht und damit die Familie tyrannisiert und eine Familie, die dem entkommen will – jeder und jede auf seine und ihre Art.

Heinrich Mann, Der Untertan (1918)
Wohl sein bestes Werk. Im Zentrum steht Diederich Heßling, ein obrigkeitshöriger Feigling und aufgeblasener Wichtigtuer, über dessen Lächerlichkeit man lachen muss. Viel Ernst und viel Humor.
Ich werde es bestimmt ein zweites Mal lesen.


