Karlheinz Six

Bücher 2025 – Krieg

Bild: Bücher 2025 - Krieg

Ich habe im vergangenen Jahr mehrere, ganz unterschiedliche Bücher gelesen, in denen Krieg eine Rolle spielt.


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Luise Rinser, Gefängnistagebuch (1946)

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Bücher 2025 – Luise Rinser, Gefängnistagebuch – Blog ziellos uinterwegs

Ende 1944 war Rinser zwei, drei Monate von den Nazis inhaftiert worden. Gründe: Hochverrat, Denunziation und Defätismus. Sie fand heimlich einige Zettel, auf die sie ihre täglichen Erlebnisse notiert hatte. So erhält man einen Eindruck, wie es in damaligen Frauengefängnissen zuging.

Ende Dezember nahm sie Hafturlaub in Anspruch, musste aber dann nicht wieder zurück.

Ich empfehle dieses Buch, obwohl ich es mit großer Beklemmung gelesen habe. Nicht weil grauenhafte Dinge geschildert werden, sondern weil Rinser sich im Tagebuch und den folgenden Jahren immer mehr als Widerstandskämpferin inszenierte, was sie aber so nicht war. Beispielsweise denunzierte die Autorin des Buches „Bruder Feuer“ über Franz von Assisi schon 1933 einen jüdischen Lehrer-Kollegen, um ihre eigene Karriere zu fördern.

Bild: Emmanuel Mbolela, Mein Weg vom Kongo nach Europa
Bücher 2025 – Emmanuel Mbolela, Mein Weg vom Kongo nach Europa – Blog ziellos uinterwegs

Emmanuel Mbolela, Mein Weg vom Kongo nach Europa (2014)

Mbolela schildert kurz gesagt seine Flucht aus dem Kongo. Seine gewerkschaftlichen Aktivitäten führten ihn in eine Zwangslage, aus der er nur noch fliehen konnte. So kam er nach Marokko, wo er einige Jahre lebte und eine Organisation gründete, die kongolesische Flüchtlinge in Marokko vertrat. Schließlich hatte er die Möglichkeit, nach Deutschland zu reisen. So viel ich weiß, lebt er heute in Frankreich.

Dieses Buch schildert eine reale Fluchtgeschichte. Damit die Leser sehen, worum es bei Flucht wirklich geht. Obwohl schon mehr als zehn Jahre alt, sehr zu empfehlen.

Jean Paul Sartre, Bariona oder der Sohn des Donners (1940; veröffentlicht 1970)

Bild: Jean-Paul Sartre, Bariona
Bücher 2025 – Jean-Paul Sartre, Bariona – Blog ziellos uinterwegs

Der atheistische Philosoph war für einige Monate um die Jahreswende 1940/41 in Kriegsgefangenenlager. Weihnachten stand vor der Tür und unter Mitarbeit des Jesuitenpaters Paul Feller schrieb Sartre dieses Drama, dass im Lager dreimal aufgeführt wurde. Christen wie Atheisten sollten Hoffnung schöpfen.

Bariona, das Oberhaupt eines galiläischen Dorfes, hat eben diese verloren. Als die Kunde kam, dass in Betlehem ein Kind neue Hoffnung schenkt, zieht das Dorf dorthin. Bariona hält das für Humbug, schleicht aber dennoch auf unbekannten Pfaden entfernt von den Dorfbewohnern ebenfalls zur Krippe.

Am Ende schöpfen alle neue Hoffnung.

Spannend an diesem Stück ist, dass Atheisten wie Christen in der Hoffnung eins sind, nur nicht im Verständnis derselben. Während die Christen hoffen, von Gott gerettet zu werden, hofft der Atheist Sartre, dass die Handlungen der Menschen zum Guten führen. Ist Jesus für die einen der Sohn Gottes, ist er für die anderen eine Symbol dieser menschlichen Zuversicht.

Sartre gelingt es, in einem Stück zwei unterschiedliche Weltanschauungen zu vereinen. Dennoch hat er das Stück zeit seines Lebens eher stiefmütterlich behandelt.

Bild: Serhij Zhadan, Keiner wird um etwas bitten
Bücher 2025 – Serhij Zhadan, Keiner wird um etwas bitten- Blog ziellos uinterwegs

Serhij Zhadan, Niemand wird um etwas bitten (2025)

Zhadan erzählt kleine Kurzgeschichten aus dem Alltag des Ukraine-Krieges. Wenn ich sage klein, dann im doppelten Sinn: Die Geschichten sind kurz. Aber er erzählt auch von den kleinen Leuten, kleine, alltägliche Geschichten, wie man sie in den weltweiten Medien nicht hört. Nicht von Krieg, nicht von der Front, sondern von dem, wie man abseits der Front in Zeiten des Krieges lebt.

So etwa von der Beerdigung eines Soldaten, an dessen Sarg seine Frau steht. Und weiter weg seine Geliebte.

Bemerkenswerte Kurzgeschichten, die immer wieder eine Wende parat haben.


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