Karlheinz Six

Gott als fühlendes Wesen

Bild: Gott als fühlendes Wesen

Hat Gott Gefühle? Zwischen Bibel, Anthropomorphismus und „Gott ist Liebe“ – kann man Gott wirklich Gefühle zuschreiben?

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Gott als fühlendes Wesen

Die meisten verbinden mit der Liebe ganz generell ein Gefühl. Liebe meint ein bestimmtes Gefühl, dass ein Mensch zu einem anderen Menschen hat. Wenn man daher von der Liebe Gottes spricht, dann verbindet man damit, dass das Wesen Gottes ein bestimmtes Gefühl ist. Gott wird also etwas zugesprochen, was für viele Theologen und Philosophen der Vergangenheit undenkbar war, nämlich ein Gefühl. Sie kritisierten, dass Gott dadurch vermenschlicht würde. Das nennt man Anthropomorphismus. Gott wird in menschlicher (griech. anthropos) Gestalt (griech. morphe) gedacht.

Die Bibel geht da einen anderen Weg. Tatsächlich werden Gott viele Gefühle und Emotionen zugeschrieben. Es wird vom Zorn, von der Reue, vom Mitleid Gottes usw. gesprochen. Es ist jedoch in den jeweiligen Kontexten genau hinzuschauen, ob das Gefühl, dass Gott zugeschrieben wird, nicht bloß eine Metapher für etwas ist und damit eigentlich kein Gefühl, sondern etwas anderes meint. Die Frage ist: Handelt es sich um eine anthropomorphe Metapher oder eine anthropomorphe Vorstellung?

Wenn die Rede von den Gefühlen Gottes metaphorischen Charakter hat, dann ist eine Interpretation aus dem jeweiligen Kontext von Nöten. Da dies hier nicht geleistet werden kann, wende ich mich der Frage zu, was es bedeutet, wenn Gott Gefühle im wörtlichen Sinn zugeschrieben werden. Und ich beginne mit der Frage: Wollen wir einen Gott, der Gefühle hat? Zwei Dinge scheinen wir nicht zu wollen: Zum einen einen Gott der böse, gemeine, ja die falschen Gefühle hat. Er soll nur von den guten Gefühlen durchdrungen sein. Zum anderen soll er diese guten Gefühle auf Dauer haben. Er soll sie nicht ändern.

Ich halte nichts von der Vorstellung, Gott Gefühle zuzuschreiben. Dieser Abschnitt will aber durchdenken, was das bedeuten würde.

Dabei handeln wir uns nämlich in zumindest zwei Bereichen Probleme ein: Der eine Bereich ist die Bibel. Sie zeigt an unzähligen Stellen die Gefühlslage Gottes. Nicht nur die von uns gewollten Gefühle wie Liebe, Mitleid oder Sorge, sondern auch die von uns unerwünschten wie Zorn, Rachsucht und Eifersucht. Zudem spricht die Bibel auch davon, dass und wie Gott seine Gefühle ändert. Und wir können sehr froh sein, dass er sie ändert. Man stelle sich vor, Gottes Zorn würde sich nicht mehr ändern. Wir wären schon mehrmals untergegangen, ginge es nach der Bibel.

Damit bin ich beim zweiten Bereich: unserem Verständnis vom Gefühlen. Wir verstehen Gefühle als eine Qualität am Menschen, die nicht ständig gleichbleibend ist. Wir sind nicht ständig verliebt, wütend, mitleidig oder empört. Sonst müssten wir eigentlich alle Gefühle jederzeit und d. h. zugleich haben. Wir verstehen also unter Gefühlen eine sich verändernde Qualität.

In diesem Licht betrachtet, ist es unsinnig, Gott ein immer gleich bleibendes Gefühl zuzuschreiben. Ein solches ist ein hölzernes Eisen oder ein schwarzer Schimmel.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum der erste Johannesbrief „Gott ist Liebe“ formuliert und nicht zuerst „Gott liebt uns“. Zweitere Aussage kommt zwar auch vor, aber dem Autor geht es in erster Linie nicht um ein Gefühl oder eine Tat Gottes, sondern um eine Wesensbestimmung. Wenn aber das Wesen Gottes unveränderlich ist – wovon der Autor des Briefes ausgeht –, dann kann unter Liebe kein Gefühl gemeint sein. Denn dann wäre Gott auch Hass, Zorn, Mitleid, Eifersucht, Freude, Enthusiasmus usw.


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