Karlheinz Six

Europa flucht, Afrika steht still: Die ungleiche Last der Ölkrise

Bild: Europa flucht, Afrika steht still

Die Ölpreise scheinen wie nie zu steigen. Wir klagen und erwarten von der Regierung preisdämpfende Maßnahmen. Aber wie kommt es zu diesem hohen Preis?

Weil das Öl durch den Iran-Krieg knapp wird und der das Öl bekommt, der den höheren Preis bezahlt. Heißt: Irgendwer, der es sich nicht leisten kann, schaut durch die Finger.

Naheliegend, dass das auch afrikanische Staaten betrifft.


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Während Autofahrer in Europa über steigende Spritpreise diskutieren, spielt sich in Teilen Afrikas eine deutlich dramatischere Entwicklung ab: Dort wird Treibstoff tatsächlich knapp. Nicht nur teuer – sondern teilweise schlicht nicht mehr verfügbar.

Der Grund liegt im globalen Ölmarkt. Durch den Krieg rund um Iran und die Störungen im Persischen Golf ist der Ölpreis gestiegen, gleichzeitig sind wichtige Transportwege unsicher geworden. Tanker müssen Umwege fahren, Lieferungen verzögern sich. Für wohlhabende Staaten bedeutet das vor allem höhere Preise. Für viele afrikanische Länder bedeutet es etwas anderes: Sie können sich das Öl schlicht nicht mehr leisten.

Denn ein großer Teil des Kontinents importiert fast seinen gesamten Treibstoff. Viele Länder verfügen kaum über eigene Raffinerien und müssen Benzin und Diesel regelmäßig auf dem Weltmarkt einkaufen. Steigen die Preise stark, geraten ihre Volkswirtschaften schnell unter Druck – vor allem dort, wo Devisen knapp sind und Staaten nicht mit reichen Ländern um knappe Lieferungen konkurrieren können.

Analysten warnen deshalb, dass der aktuelle Ölpreisschock vor allem importabhängige Staaten trifft. Besonders anfällig sind Länder wie Sudan, Gambia, die Zentralafrikanische Republik, Lesotho oder Zimbabwe. Dort könnten steigende Importkosten die ohnehin knappen Devisenreserven schnell aufzehren.

Wenn der Treibstoff zum Luxus wird

Die Folgen zeigen sich zuerst an der Tankstelle. Steigen die Preise oder verzögern sich Lieferungen, beginnen Tankstellen, Treibstoff zu rationieren oder erhöhen ihre Preise stark. Für viele Menschen wird Autofahren plötzlich zu einem Luxus.

Der Grund liegt nicht nur im Ölpreis selbst. Auch die Transportwege sind betroffen. Tanker, die normalerweise durch wichtige Handelsrouten fahren, müssen wegen der Sicherheitslage teilweise große Umwege nehmen. Das verlängert die Lieferzeiten und verteuert den Transport zusätzlich. Experten warnen, dass sich daraus echte Versorgungsengpässe entwickeln könnten, wenn der Konflikt länger anhält.

Wenn Treibstoff knapp wird, trifft das in Afrika besonders schnell den Alltag. Der Transport von Lebensmitteln, Baumaterial oder Wasser erfolgt in vielen Regionen fast ausschließlich über Lastwagen. Steigen die Dieselpreise, verteuert sich deshalb sofort das gesamte Leben. Der Ökonom Hedley von der Beratungsfirma Kruthan beschreibt das Problem so: „Rising fuel costs therefore feed quickly into broader inflation and reduce household purchasing power.“ – steigende Treibstoffkosten treiben also die Inflation an und senken die Kaufkraft der Menschen.

Ostafrika unter besonderem Druck

In mehreren Ländern Ostafrikas beobachten Regierungen die Entwicklung mit Sorge. Staaten wie Kenya, Uganda und Tanzania sind stark von importierten Treibstoffen abhängig und spüren die Auswirkungen der globalen Lieferprobleme besonders schnell.

Die Regierungen reagieren bereits. Kenya versucht beispielsweise, zusätzliche Treibstofflieferungen für die kommenden Monate zu sichern, um Engpässe zu verhindern. Tanzania baut gleichzeitig seine strategischen Reserven aus, um mögliche Unterbrechungen im Handel abzufedern. In Äthiopien hat die Regierung sogar neue Subventionen eingeführt, um den Preisanstieg für Verbraucher zu dämpfen.

Diese Maßnahmen zeigen, wie ernst die Lage eingeschätzt wird. Denn selbst kleine Störungen im globalen Ölhandel können in importabhängigen Ländern sofort spürbare Folgen haben.

Uganda: Stabil – aber unter wachsendem Druck

Uganda zeigt, wie sich eine Krise zunächst moderat entwickelt. In der Hauptstadt Kampala lag der Benzinpreis im Jänner 2026 bei rund 4.950 Uganda-Schilling pro Liter, das entspricht etwa 1,25 bis 1,35 Euro. Im März bewegt sich der Preis meist zwischen 4.900 und 5.200 Schilling, also etwa 1,20 bis 1,40 Euro.

Auf den ersten Blick ist das kein dramatischer Anstieg. Tatsächlich schwanken die Preise nur leicht. Doch entscheidend ist die Kaufkraft: Ein durchschnittlicher Monatslohn liegt schätzungsweise in Uganda bei etwa 1,4 bis 1,55 Millionen Schilling (rund 350–400 Euro).

Ein voller 50-Liter-Tank kostet damit ungefähr 250.000 Schilling, also etwa 65–70 Euro. Das entspricht rund 20 Prozent des Medianeinkommens.

Zum Vergleich: In Österreich kostet ein Liter aktuell rund 2 Euro. Ein voller Tank mit 50 Litern liegt damit bei etwa 100 Euro – bei einem Medianeinkommen von rund 3.080 Euro sind das nur etwa 3,2 Prozent des Monatslohns.

Der Liter Benzin ist also in Uganda nominell ähnlich teuer wie in Europa – relativ zum Einkommen aber fünf- bis sechsmal belastender.

Noch ist die Versorgung in Uganda stabil. Der Staat verfügt über funktionierende Lieferketten und versucht, Engpässe zu vermeiden. Doch Experten gehen davon aus, dass sich der Preisdruck mit Verzögerung verstärken könnte, wenn dauerhaft teurere Lieferungen ankommen.

Ostkongo: Wenn aus Preisdruck eine Versorgungskrise wird

Ganz anders ist die Lage im Osten der Demokratischen Republik Kongo, etwa in der Region Nord-Kivu rund um die Stadt Beni. Dort zeigt sich, wie schnell aus einem globalen Preisschock eine echte Versorgungskrise werden kann.

Innerhalb kurzer Zeit stieg der Benzinpreis dort von etwa 2.500 kongolesischen Franc pro Liter (rund 0,90–1,00 Euro) auf bis zu 8.000 Franc – also etwa 2,80–3,00 Euro pro Liter. Das entspricht mehr als einer Verdreifachung.

Die Ursachen solcher Preissprünge sind jedoch nicht nur auf die globalen Märkte, sondern auch auf die lokale Krisen zurückzuführen, die nicht repräsentativ für das ganze Land sind. Die Krisenregion Kivu ist abhängig von LKW-Transporten. Lokale Konflikte und die physische Knappheit führen hier regelmäßig zu Schwarzmarktpreisen, die weit über den offiziellen Raten liegen. Preissprünge sind hier also keine Seltenheit.

Dennoch verschwand Treibstoff vielerorts ganz vom offiziellen Markt. Tankstellen hatten keinen Nachschub mehr, Verkäufe wurden eingestellt. Benzin war oft nur noch auf dem Schwarzmarkt erhältlich – zu nochmals höheren Preisen.

Der Grund liegt in der extrem fragilen Versorgung. Der Ostkongo wird über lange und unsichere Transportwege aus Ostafrika beliefert, meist per Lkw. Wenn diese Lieferketten unterbrochen werden – etwa durch Verzögerungen im internationalen Handel oder regionale Unsicherheit – gibt es kaum Puffer. Es existieren praktisch keine Reserven, die kurzfristige Ausfälle ausgleichen könnten.

Während Uganda also steigende Preise erlebt, erlebt der Ostkongo bereits das nächste Stadium: physische Knappheit.

Nigeria: Der unmittelbare Preisschock

In Nigeria zeigt sich die Verwundbarkeit eines Landes, das trotz eigener Ölvorkommen fast seinen gesamten Treibstoffbedarf durch Importe deckt. Seit der Abschaffung der staatlichen Subventionen im Jahr 2023 reagiert der heimische Markt unmittelbar auf globale Krisen. Infolge der Eskalation im Nahen Osten und der Blockade der Straße von Hormuz sind die Benzinpreise im März 2026 sprunghaft angestiegen.

In Metropolen wie Lagos kletterte der Preis pro Liter von rund 880 NGN (ca. 0,55 €) Ende Februar auf über 1.200 bis 1.300 NGN (ca. 0,76 € bis 0,82 €) Mitte März. Dieser Anstieg um rund 35–45 % innerhalb weniger Wochen trifft eine Bevölkerung, die bereits mit einer massiven Inflation kämpft.

Da Transportkosten in Nigeria die Preise für Lebensmittel und Güter des täglichen Bedarfs bestimmen, droht der aktuelle Ölpreisschock die Armut in weiten Teilen des Landes drastisch zu verschärfen.

Kenia: Die Ruhe vor dem Sturm?

In Kenia stellt sich die Lage im März 2026 noch trügerisch stabil dar, doch Experten warnen vor einem verzögerten Schock. Die Regulierungsbehörde EPRA hat die Preise für den Zeitraum von Mitte März bis Mitte April bei 178,28 KES (ca. 1,20 €) pro Liter in Nairobi stabil gehalten. Dieser „Puffer“ resultiert jedoch vor allem daraus, dass die aktuell verkauften Mengen noch aus Lieferungen stammen, die vor dem Höhepunkt des Iran-Konflikts gesichert wurden.

Da die „Landed Costs“ (importierte Kosten inklusive Fracht und Versicherung) für Benzin und Diesel bereits um bis zu 8 % gestiegen sind, wird für das nächste Preis-Update im April ein massiver Sprung erwartet. Die Regierung steht vor dem Dilemma, entweder die Preise explodieren zu lassen oder neue, kostspielige Subventionen einzuführen, um soziale Unruhen wie in der Vergangenheit zu verhindern.

Gewinner und Verlierer des Ölpreisschocks

Nicht alle afrikanischen Staaten sind gleichermaßen betroffen. Länder mit eigenen Ölvorkommen wie Nigeria, Angola oder Algerien profitieren kurzfristig sogar von höheren Weltmarktpreisen, weil ihre Exporterlöse steigen.

Doch selbst dort bedeutet ein höherer Ölpreis nicht automatisch Entlastung für die Bevölkerung. In Angola etwa führte eine Erhöhung der Treibstoffpreise im Jahr 2025 nach dem Abbau staatlicher Subventionen zu massiven Protesten von Taxi- und Busfahrern, weil sich viele Menschen den Transport plötzlich kaum noch leisten konnten.

In den meisten afrikanischen Ländern überwiegen daher die negativen Folgen. Der Analyst Peter Attard Montalto beschreibt die Situation nüchtern: Höhere Öl- und Gaspreise würden „in den kommenden Monaten in die Inflation durchsickern“. Damit steigen Transportkosten, Lebensmittelpreise und letztlich die Lebenshaltungskosten für Millionen Menschen.

Eine stille Energiekrise

Während Europa vor allem über hohe Preise diskutiert, erleben viele Menschen in Afrika eine andere Realität. Dort entscheidet der Ölpreis nicht nur darüber, wie teuer Autofahren wird – sondern ob überhaupt noch genug Treibstoff verfügbar ist.

Sollte die Lage auf dem Ölmarkt angespannt bleiben, könnte sich diese stille Energiekrise weiter verschärfen. Für viele afrikanische Staaten steht dann nicht nur Mobilität auf dem Spiel, sondern die Stabilität ihrer gesamten Wirtschaft.

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