In der Demokratischen Republik Kongo hat sich ein Konflikt entfaltet, der weit über das Klassenzimmer hinausreicht: Dürfen schwangere Schülerinnen ihre Ausbildung fortsetzen – oder nicht? Während das Bildungsministerium eine klare Haltung für Inklusion einnimmt, vertritt die katholische Kirche eine gegensätzliche Position.
Das staatliche Rundschreiben: Bildung für alle
Am 14. Juli 2025 veröffentlichte das kongolesische Bildungsministerium ein Rundschreiben, das eindeutig formuliert: Keine Schülerin darf aufgrund einer Schwangerschaft von der Schule ausgeschlossen werden. Weder Suspendierungen noch Sanktionen sind akzeptabel.
Damit möchte die Regierung Geschlechtergerechtigkeit fördern und sicherstellen, dass Mädchen trotz früher Schwangerschaften ihre Bildung fortsetzen können. Inklusion und die langfristige Stärkung von Mädchen sind wichtige Werte kongolesischer Bildungspolitik.
Die Gegenposition der katholischen Kirche
Nur zwei Tage später, am 16. Juli 2025, reagierte die katholische Bischofskonferenz. In einem eigenen Schreiben wies sie katholische Schulen an, schwangere Schülerinnen nicht weiter zu unterrichten, sondern ihnen einen Wechsel an staatliche Einrichtungen nahezulegen. Begründung: Moral und Disziplin. Der Kirche sind moralische Standards und das religiöse und soziale Profil ihrer Schulen wichtig.
Die Kirche stützt sich dabei auf das Verwaltungsabkommen („management agreement“) mit dem Staat, das ihren Schulen besondere Autonomie in Fragen von Erziehung und Werten einräumt. Mit über 18.000 katholischen Grund- und Sekundarschulen im Land hat die Entscheidung erhebliches Gewicht – fast ein Drittel der Bevölkerung gehört der katholischen Kirche an.
Gesellschaftlicher Kontext
Frühe Schwangerschaften sind in der DR Kongo weit verbreitet. Laut internationalen Organisationen heiraten rund 37 % der Mädchen vor dem 18. Lebensjahr. Viele von ihnen sind dadurch mit erheblichen Barrieren im Bildungssystem konfrontiert. Das Bildungsministerium will mit seiner neuen Richtlinie gezielt diese Ungleichheiten bekämpfen.
Was bedeutet das für die Zukunft?
Obwohl das staatliche Rundschreiben klare Vorgaben macht, bleibt die katholische Kirche bei ihrer Linie. Vorerst bedeutet das: schwangere Schülerinnen dürfen staatliche Schulen besuchen, sind aber in katholischen Einrichtungen weiterhin ausgeschlossen. Damit entsteht ein Spannungsfeld zwischen staatlichem Anspruch auf inklusive Bildung und kirchlicher Autonomie in moralischen Fragen.
Die Auseinandersetzung zeigt exemplarisch, wie Bildungspolitik, Religion und gesellschaftliche Werte miteinander ringen. Der Konflikt ist noch nicht beigelegt. Möglich wäre ein Dialog zwischen Staat und Kirche – mit dem Ziel, Mädchen nicht zwischen den Fronten von Moral und Bildung aufgerieben werden zu lassen.
Der Konflikt zeigt aber auch, dass die in Europa weit verbreitete und von der Kirche immer wiederholte Grundsatz „Die Kirchenvertretern will und muss die afrikanischen Kulturen achten“ oft nicht mehr als ein Feigenblatt ist, konservative Sozialordnungen durchzusetzen. Vielleicht ist Afrika gar nicht so konservativ, wie es afrikanische Kirchenvertreter den Europäern während synodaler Kirchenentwicklungsprozesse weiß machen wollen.


